GROSSE PANDAS IN SCHÖNBRUNN
       
14. März 2003: Ankunft der Pandas in Wien ... [Fotos]

     

 Die österreichischen Forschungsinitiativen: Liebesleben, Sprache,
 Tagesablauf und Fressen.

 


Die beiden in Wien lebenden Pandas dürfen nach dem Willen der chinesischen Regierung und der Geschäftsführung der Schönbrunner Tiergarten GesmbH keinesfalls nur der Schaustellung dienen. Das Abkommen zwischen China und Österreich beinhaltet deshalb gemeinsame Artenschutz- und Forschungsprojekte.

Von österreichischer Seite soll alles dazu beigetragen werden, eine alte, große Frage zu klären: Was ist der Grund dafür, dass sich Pandas - abgesehen von wenigen Ausnahmen und abgesehen von künstlicher Befruchtung - in menschlicher Obhut nicht fortpflanzen ?

   
     

 Das geheime Liebesleben

   



Chinesische und amerikanische Wissenschafter beschäftigen sich schon seit mehr als zwanzig Jahren mit dem Fortpflanzungsverhalten und der Fortpflanzungsphysiologie der Großen Pandas. Dennoch blieben viele entscheidende Fragen bis heute unbeantwortet. So werden etwa Große Pandas in Zuchtstationen und Zoos nach wie vor überwiegend durch künstliche Befruchtung vermehrt, da es auf natürlichem Weg nur selten gelingt. Die Jungen-Sterblichkeit ist in menschlicher Obhut ebenso hoch wie im Freiland.

In Wien wurde die Entwicklung der beiden halbwüchsigen Pandas bis zur Geschlechtsreife veterinärmedizinisch durchleuchtet, um so neue Rückschlüsse auf die Mechanismen der Fortpflanzungsphysiologie ziehen zu können:

  • Erstmals wurden das Wachstum und die Entwicklung der Geschlechtsorgane und des Skeletts mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen und Röntgenaufnahmen dokumentiert.
  • Weiters wurde im Kot der Tiere regelmäßig der Cortisol-Gehalt bestimmt, um zu erkennen, ob und wann die Tiere negativen Stress- Situationen ausgesetzt sind. (Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das in der Nebennierenrinde erzeugt wird).

Das Ziel: Begründung einer sich selbst erhaltenden Population von Großen Pandas in wissenschaftlich geführten Zoos - und zwar so rasch wie möglich, solange die Gesamtzahl und damit die genetische Bandbreite der Pandas noch groß genug ist.

Der Wiener Tiergarten hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Fachgebiet "Fortpflanzungsphysiologie und Fortpflanzungsverhalten" international einen guten Ruf erarbeitet - in erster Linie durch die Forschungsarbeiten mit den Afrikanischen Elefanten. Für die Auseinandersetzung mit den Großen Pandas weiters von Vorteil: die jahrelange Erfahrung des Tiergartens bei der Haltung und Zucht von Brillenbären.

   
     
 Pflanzenfresser oder doch nicht ?    


Anatomisch gesehen sind Große Pandas Allesfresser. Sowohl das Gebiss als auch die Länge des Darms (ca. fünf Meter, Grasfresser weisen demgegenüber eine Länge von ca. zwanzig Metern auf) sprechen für fleischliche oder zumindest für gemischte Kost. Dennoch geht man derzeit noch davon aus, dass sie Pflanzenfresser sind und sich zu mehr als neunzig Prozent von Bambus ernähren. Die Lösung des Rätsels steht noch aus.
   
     
 Kaum erforscht: Lebensweise im Freiland    
 
Der Lebensraum der Großen Pandas ist in verstreute "Inselpopulationen" zersplittert. Sie werden in immer höhere und entlegene Bergregionen mit zusehends schlechteren Lebensbedingungen verdrängt. Dementsprechend schwieriger wurde es auch, die Tiere zu beobachten und mit Hilfe von Peilsendern zu verfolgen.
   
     
 Neue Einblicke in den Tagesablauf    


  • Studenten und Tierpfleger dokumentieren das Fress-, das Neugierverhalten und das Sozialleben der Tiere.
  • In der Nacht werden mit Hilfe von Infrarot-Kameras die einzelnen Schlafphasen, gelegentliche soziale Interaktionen, etwaige Stereotypien und die Fresszeiten aufgezeichnet werden.

Das Team des Tiergarten Schönbrunn hat bereits mit der Erforschung des nächtlichen Verhaltens von Elefanten, Tigern, Elen-Antilopen, Nyalas, Ameisenbären und Geparden gute Erfahrungen sammeln können.

   
     
 Die Sprache der Pandas    
 
Der Wissenschaft ist zwar schon eine Weile bekannt, dass Große Pandas verschiedene Laute von sich geben, was jedoch nicht bekannt ist: wann und in welchem Zusammenhang bestimmte Lautäußerungen bei halbwüchsigen Tieren erstmals auftreten. Gibt es bei den Lautäußerungen der Großen Pandas auch Geschlechtsunterschiede ?
   
       
 Mehr über die Pandas ...    
 

 

   
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