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von Helmut Kratochvil und Harald Schwammer |
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Einleitung |
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Das Klopfen der Zoobesucher an die Scheiben von Aquarien, Terrarien und
anderen Gehegen sind tolpatschige Versuche, mit den Tieren in Kontakt
zu treten oder inaktive Individuen aufzuscheuchen. Für Aquarienfische
ist das Scheibenklopfen eine besondere Gefahr, da die Schalldrücke
im Wasser viel höher sind, als in der Luft. Die meisten Fische reagieren
außerordentlich empfindlich auf starke akustische Störungen.
Ein guter Teil der Todesfälle in Schauaquarien ist vermutlich auf
das Scheibenklopfen zurückzuführen.
Im Tiergarten Schönbrunn wird seit einigen Jahren die Schallbelastung
in den Gehegen systematisch gemessen und die Schallisolationswirkung der
Wände festgestellt. Mit Hilfe der Ergebnisse werden Maßnahmen
zur Verhinderung der Schallbelastung ausgearbeitet.
Das Phänomen "Schallbelastung bei Aquarienfischen" wurde
bis dato wissenschaftlich kaum bearbeitet. Die vorliegende experimentelle
Studie wurde im Jahr 1996 im Schönbrunner Aquarienhaus durchgeführt.
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Versuchsanordnung |
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In einem 1 x 1 x 1 Meter großen Schauaquarium
wurde ein Unterwassermikrofon (ARC Hydrofon) versteckt angebracht. Es
wurde über einen Verstärker (Sonderanfertigung) mit einem Tonbandgerät
(UHER Report Monitor) verbunden, das zusätzlich mit einem Ton-Relais
(UHER Akustomat) ausgestattet war.
Beim Klopfen an die Scheibe schaltet sich das Bandgerät in Sekundenbruchteilen
automatisch ein - alle Klopfaktionen können so aufgezeichnet werden.

Die auf dem Tonband registrierten Klopfimpulse
wurden gezählt und die Perioden "Montag 12 Uhr bis Freitag 12
Uhr" sowie "Freitag 12 Uhr bis Montag 12 Uhr" erfaßt.
Zunächst wurden die Klopfaktivitäten über einen Zeitraum
von vier Wochen registriert. Die Aktivitäten wurden als Schläge
je 100 Besucher dargestellt. Danach wurden die Registrierungen unter den
gleichen Bedingungen fortgeführt, allerdings mit drei verschiedenen
Hinweisschildern, die jeweils zwei Wochen lang an der Frontscheibe des
Aquariums angebracht wurden:
"Scheibenklopfen tötet Fische"
"Nur Beklopfte klopfen gegen die Scheibe"
"Bitte nicht gegen die Scheibe klopfen"
Mit einer Pegelmeßeinrichtung, bestehend aus Hydrofon (8106 Brüel
und Kjaer) und einem Meßverstärker (2606 Brüel und Kjaer)
wurde die Lautstärke typischer Schläge ermittelt. Alle Ergebnisse
wurden statistisch überprüft.
Das Aquarium war mit zwei etwa 30 cm großen Süßwasser-Rochen
(Potamotrygon motoro) besetzt.
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Ergebnisse |
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- Die durchschnittliche Klopfaktivität pro hundert
Besucher betrug 1,8 Schläge, was bei Spitzentagen mit bis zu 15000
Besuchern eine enorme Störung bedeutet.
- Bei den Hinweisschildern hatte der Text "Nur
Beklopfte klopfen gegen die Scheibe" den größten Effekt:
Reduktion der Klopfaktivität unter 10 Prozent.
- An zweiter Stelle folgt der Text "Klopfen tötet
Fische": Reduktion auf 18 Prozent.
- Den geringsten Effekt zeigte das Schild "Bitte
nicht gegen die Scheibe klopfen": Reduktion lediglich auf 28 Prozent.
- Die Klopfaktivität war während der Woche
relativ höher als während des Wochenendes.
- Das Schwergewicht lag bei kurzen Serien von zwei
bis vier Schlägen. In einem Fall wurde sogar 72 (!) Mal hintereinander
geklopft.
- Die Lautstärke typischer Schläge betrug
bis zu 125 dB rel 1µPa lin RMS fast und bis 175 dB rel 1µPa
lin peak - was in der Luft einer Lautstärke entspricht, die beim
Menschen auf Dauer zu Hörschäden führen kann.
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Diskussion |
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Ein Häufigkeit von annähernd 2 Klopfschlägen
je 100 Besucher bedeutet für die Aquarientiere eine erhebliche Störung.
Daß während der Woche häufiger geklopft wurde, kann vielleicht
durch die hohe Zahl von Schulklassen erklärt werden, die an diesen
Tagen das Aquarienhaus besuchen und deren Verhalten durch die geringe Zahl
erwachsener Besucher unzulänglich kontrolliert wurde.
Die vorliegenden Befunde sind ein Anlaß, dieses Phänomen in zukünftige
Planungen von Aquarienanlagen einzubeziehen - eventuell durch Anbringung
schwenkbarer Schutzscheiben, welche direkt mit dem Gebäude verbunden
sind und so den Kontakt mit der Frontscheibe des Aquariums verhindern. Bauliche
Maßnahmen scheinen sinnvoller, da Verbote und Hinweise zwar einen
begrenzten Effekt garantieren, die verbleibende Störung jedoch nach
wie vor zu groß ist. |
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Veröffentlichungen |
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Kratochvil, H., Schwammer, H., 1997: "Acoustic
disturbance of aquatic animals by Zoo visitors." Zoo Biology.
Schwammer H., Kratochvil, H., 1996: "Noise pollution of the environment
of aquatic Zoo animals." 4th International Aquarium Congress,Tokyo. |
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