Tiergarten Schönbrunn

Nacktmull (Heterocephalus glaber)

Familie: Sandgräber
Gewicht: 30–70 g
Lebensdauer: Bis 30 Jahre
Verbreitung: IUCN-Karte

Die zwischen 10 und 14 Zentimeter langen Nacktmulle leben ähnlich wie Bienen und Ameisen in Staaten - eine für Säugetiere einzigartige Form des Zusammenlebens. Ähnlich wie bei staatenbildenden Insekten gibt es in einer Nacktmullkolonie ein einziges sexuell aktives Weibchen - die Königin. Sie ist das größte Tier der Kolonie und an ihren gut sichtbaren Zitzen erkennbar. Sämtliche Paarungsaktivitäten gehen von ihr aus: Sie bestimmt das Männchen, das sich mit ihr paaren „darf". Nach einer Tragezeit von rund 70 Tagen bringt die Königin 7 bis 20 Jungtiere zur Welt. Die übrigen bis zu 300 Mitglieder der Nacktmullkolonie - zu etwa gleichen Teilen Männchen und Weibchen - erfüllen bestimmte Aufgaben, wie das Graben von Gängen, den Transport von Nahrung (vorwiegend Wurzeln und Knollen) oder die Unterstützung bei der Aufzucht der Jungtiere. Die Königin muss permanent Druck auf ihre Arbeiterinnen ausüben - nur so lassen sich regelmäßige „Putschversuche" abwehren und die übrigen Weibchen bleiben sexuell inaktiv. Wenn eine Königin stirbt, kämpfen ihre Töchter um die Nachfolge.

Nacktmulle leben in einem ausgeklügelten unterirdischen Höhlensystem. Spezielle Arbeiter sind unermüdlich damit beschäftigt, das Gangsystem zu vergrößern, Schlaf- und Klokammern anzulegen, Lüftungsgänge zu bauen und die abgegrabene Erde an die Oberfläche zu transportieren. Nacktmulle graben mit ihren auffällig langen, permanent nachwachsenden Schneidezähnen. Die Schneidezähne ragen aus dem geschlossenen Maul. Dadurch können Nackmulle graben, ohne dass Erde in ihr Maul gerät.

Das Fehlen eines Felles wird als Anpassung an den permanent warmen, unterirdischen Lebensraum gesehen. Für Parasiten wie Läuse und Flöhe ist ein haarloses Nagetier wenig attraktiv. Nacktmulle sind aber nicht vollständig unbehaart: Sie haben eine schüttere Körperbehaarung aus feinsten, kurzen Härchen und relativ lange Tasthaare, die vor allem im Kopfbereich und an den Füßen sitzen. Da Nacktmulle nur sehr schlecht bis gar nicht sehen können - eine Anpassung an das permanente Leben in Dunkelheit - helfen ihnen die Tasthaare, ihre Umgebung wahrzunehmen.

Nacktmulle - eine Tierart im Fokus der Wissenschaft

Während die meisten Nagetiere höchstens 2-3 Jahre alt werden, können Nacktmulle bis zu 30 Jahre leben.

Nacktmulle bekommen keinen Krebs.

Nacktmulle nehmen schmerzhafte Berührungen zwar wahr, empfinden sie aber nicht als unangenehm.

Aufgrund dieser beneidenswerten Eigenschaften arbeiten viele Krebs- und Altersforscher mit Nackmullen. Ziel ist es, die Besonderheiten dieser bemerkenswerten Tierart zu verstehen und auf den Menschen anwendbare Erkenntnisse zu gewinnen.

Privatpatenschaften

  • Leila Mahdavian