Riesenqualle lüftet Geheimnisse in Wien

10. Oktober 2017

Ihr Schirm hat einen Durchmesser von fast 70 Zentimetern, ihre schwarzen Mundarme werden über zwei Meter lang: Die Riesenqualle Rhizostoma luteum ist ein Wunderwesen und gibt Forschern große Rätsel auf. Einigen davon geht Meeresforscherin Karen Kienberger derzeit im Tiergarten Schönbrunn auf den Grund. „Über die Riesenqualle ist fast nichts bekannt. Viele Jahre zweifelte man sogar, ob es sie überhaupt gibt. Dabei kommen Riesenquallen sogar vor den Badestränden von Spanien und Marokko in unmittelbarer Nähe der Küste vor. Erst vor Kurzem wurden in Andalusien unzählige Riesenquallen angespült. Das war natürlich eine große Sensation“, erklärt die gebürtige Schweizerin, die ihr Doktorat am Institute of Marine Sciences of Andalusia (ICMAN-CSIC) in Südspanien macht.

Vor der Küste Spaniens schnorchelt Kienberger beinahe täglich, sucht Riesenquallen, vermisst sie und dokumentiert alle Daten. Bei einem ihrer Tauchgänge hat sie vor zwei Jahren eine geschlechtsreife Riesenqualle aufgespürt und Larven an den Tiergarten übergeben, wo daraufhin die Welterstnachzucht geglückt ist. Nun ist sie hier, um fernab vom Meer an der Riesenqualle zu forschen. Kienberger: „Der Tiergarten Schönbrunn ist die einzige Institution, in der Riesenquallen gezüchtet werden. Deshalb kann ich nur hier diese spannenden Tiere erforschen. Außerdem gibt es in Schönbrunn mehr als 60 Quallenarten und da schlägt das Herz einer Quallenforscherin natürlich höher.“

Im Keller des Aquarienhauses wurde Kienberger ein kleines Labor eingerichtet. Dort untersucht sie, wie sich unterschiedliche Temperaturen und Salzgehalte auf die Entwicklung der Riesenquallen auswirken. Mit Taschenlampe, Lupe und Mikroskop beobachtet sie das Wachstum der anfangs weniger als einen Millimeter großen Polypen. Das Thema der Forschungsarbeit ist brandaktuell. Denn eine Frage beschäftigt die Experten weltweit: Werden sich Quallen massenhaft ausbreiten, wenn sich die Meere erwärmen? Bis Ende Oktober dauern die Forschungstätigkeiten, die vom Tiergarten Schönbrunn und von Schweizer Rotary Clubs finanziert werden, noch an. Dann werden die Ergebnisse wissenschaftlich publiziert und die Riesenqualle wird einmal mehr für Aufsehen sorgen.

Foto 1 (Kienberger beim Vermessen einer Riesenqualle in Spanien) zur honorarfreien Verwendung: Darius Enayati
Foto 2, 3 und 4 (Kienberger bei ihrer Forschungstätigkeit im Tiergarten) zur honorarfreien Verwendung: Daniel Zupanc
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass eine Verwendung der Fotos und der Videos ausschließlich im Zusammenhang mit dieser Presseaussendung unter Urhebernennung erfolgen darf.