Forschungsprojekt Bsal

Der hoch infektiöse, parasitische und bis vor Kurzem unbekannte Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans wurde im Jahr 2016 erstmals in den Niederlanden nachgewiesen. Der „salamanderfressende“ Chytridpilz - benannt nach seinem Wirtstier dem Feuersalamander - verursachte bisher Massensterben bei Feuersalamandern in Belgien, den Niederlanden und kürzlich auch in Deutschland. Der Pilz wurde vermutlich aus Asien eingeschleppt.

Zielsetzung

Das vom Tiergarten Schönbrunn initiierte Projekt in Zusammenarbeit mit dem Alpenzoo Innsbruck, der Österreichischen Zooorganisation, dem Technischen Büro Florian Glaser, dem Haus der Natur Salzburg, der Arge Naturschutz Kärnten, der iNatura Vorarlberg, dem Naturhistorischen Museum Wien, der Veterinärmedizischen Universität Wien, der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie und dem Amt der Tiroler Landesregierung (Abteilung Umweltschutz) überprüft, den möglichen Infektionsstatus österreichischer Salamander und Molche. Durch stichprobenartige Untersuchungen an Alpen- und Feuersalamandern in Wien, Nieder- und Oberösterreich, Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg ist eine vorläufige Einschätzung der momentanen Bedrohung durch Bsal in Österreich möglich. Langfristige Ausbreitung und Auswirkung des Pilzes lassen sich nur durch wiederholtes Monitoring feststellen.

Relevanz

Obwohl der Pilz für Menschen ungefährlich ist und in Österreich bislang noch nicht nachgewiesen werden konnte, herrscht Alarmbereitschaft. Die Bestände von Feuer- und Alpensalamandern sowie aller heimischen Molcharten (Teich- und Fadenmolche, Donau-, Nördliche- und Alpenkammmolche und Bergmolche) sind von diesem Hautpilz bedroht. Der Erreger kann in feuchtem Erdsubstrat (und anderen Materialien) sowie Wasser überdauern und auf diese Weise einfach verschleppt werden. Frösche erkranken nicht, sind aber Überträger des Krankheitserregers.

Methode

Die Beprobung von freilebenden, adulten Feuersalamandern und Alpensalamandern (Tirol und Vorarlberg) erfolgt durch Abstriche mit sterilen Tupfern. Die ventrale Seite und die Unterseite  der Füße der Salamander werden insgesamt 20 Mal abgestrichen. Falls möglich werden die Tiere vermessen bzw. auf Millimeterpapier abfotografiert, gewogen und ihr Geschlecht wird bestimmt. Alle Tiere werden nach dem Abstrich wieder unverletzt am jeweiligen Standort freigelassen. Die Abstriche werden bei 4°C zwischengelagert und mittels dublex-qPCR von Dr. Steve Smith (Abteilung "Integrative Biologie und Evolution") und seinem Team der Veterinärmedizinischen Universität Wien analysiert. Nach Bearbeitung jedes Standortes wird die Ausrüstung (Kübel, Gummistiefel, Messgeräte) vollständig getrocknet oder desinfiziert, um die mögliche Verbreitung von Bsal zu minimieren.

Ergebnisse

2016 wurden erstmal Kontrollen in Wien und Tirol durchgeführt. Von 2017 bis 2018 wurde das Monitoring dank der Hilfe von Herpetologen aus anderen Bundesländern erweitert und die Salamander in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg konnten stichprobenartig beprobt werden. Die Analyse und Auswertung ergab keinen Bsal Nachweis bei allen getesteten Tieren.

Weiterführende Literatur
Blooi M. et al. 2015. Treatment of urodelans based on temperature dependent infection dynamics of Batrachochytrium salamandrivorans. Scientific Reports 5: 8037.
https://www.nature.com/articles/srep08037?WT.feed_name=subjects_herpetology
Blooi M. et al. 2015. Successful treatment of Batrachochytrium salamandrivorans infections in salamanders requires synergy between voriconazole, polymyxin E and temperature. Scientific Reports 5: 11788.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4485233/
Martel A. et al. 2013. Batrachochytrium salamandrivorans sp. nov. causes lethal chytridiomycosis in amphibians. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 110 (38): 15325–15329.
http://www.pnas.org/content/110/38/15325.full
Mutschmann F. 2015. Chytridiomycosis in amphibians. Journal of Exotic Pet Medicine 24 (3): 276–282.
Schmidt B.R. et al. 2017. Dynamics of host populations affected by the emerging fungal pathogen Batrachochytrium salamandrivorans. Royal Society Open Science 4(3)
http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/4/3/160801
Spitzen-van der Sluijs A. et al. 2016. Expanding Distribution of Lethal Amphibian Fungus Batrachochytrium salamandrivorans in Europe. Emerg Infect Dis 22 (7):1286-1288. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4918153/
Van Rooij P. et al. 2017. Efficacy of chemical disinfectants for the containment of the salamander chytrid fungus Batrachochytrium salamandrivorans. PLoS One 12 (10):e0186269. doi:10.1371/journal.pone.0186269
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0186269

Projektleitung:
Dr. Doris Preininger
d.preininger@zoovienna.at

Assoziierte Wissenschafter:
Dr. Florian Glaser, Dr. Gerda Ludwig, Thomas Wampula, Dr. Silke Schweiger, Peter Kaufmann MSc, Mag. Karina Smole-Wiener, Mag. Markus Grabher, Dr. Andreas Maletzky, Dr. Steve Smith, Gopi Munimanda MSc, Prof. Chris Walzer.