Erstmals natürliche Aufzucht bei unseren Rothalsstraußen

23. Juli 2026

Vier Straußenküken sorgen im Tiergarten für eine historische Premiere: Erstmals in der mehr als 270-jährigen Geschichte des Tiergartens wurden hochbedrohte Nordafrikanische Rothalsstrauße von ihren Elterntieren auf natürliche Weise ausgebrütet und werden nun auch von diesen aufgezogen. Die vier Jungtiere schlüpften im Juni. Der Nachwuchs stellt einen äußerst wichtigen Beitrag zum relativ jungen europäischen Erhaltungszuchtprogramm für diese Vögel dar. „Für uns ist dies ein wichtiger Meilenstein. Durch Wilderei und Lebensraumverlust ist diese Unterart des Afrikanischen Straußes von der Ausrottung bedroht. Der Bestand wird auf maximal 1.000 Tiere geschätzt. Die größte Population lebt in der Republik Tschad in Zentralafrika. Besonders stolz sind wir, dass eine künstliche Inkubation der Eier nicht notwendig war, da das Paar sein natürliches Brutverhalten zeigte“, erklärt Tiergartendirektor Dr. Stephan Hering-Hagenbeck. Als Nest diente eine flache, sandige Mulde, die der Hahn zuvor gescharrt hatte. Rund 45 Tage lang bebrüteten Hahn und Henne das Gelege abwechselnd. Auch bei der Aufzucht kümmern sich beide Elterntiere aufopfernd um ihren Nachwuchs, wobei der Hahn einen besonders großen Teil der Arbeit, etwa beim Schutz der Küken, übernimmt.

Der Nordafrikanische Rothalsstrauß ist nicht nur stark bedroht, sondern auch ein Vogel der Superlative: Als größte Unterart des Afrikanischen Straußes gilt er als größter und schwerster lebender Vogel der Welt. Auch der Schönbrunner Nachwuchs legt bereits ein beeindruckendes Wachstumstempo vor. Dr. Folko Balfanz, zoologischer Abteilungsleiter im Tiergarten: „Den Küken kann man quasi beim Wachsen zusehen. Sie wachsen pro Tag bis zu drei Zentimeter. Mit einem Gewicht von derzeit rund acht Kilogramm müssen sie aber noch ordentlich Gräser, Körner, Insekten und Blätter fressen, um die Körperdimensionen ihrer Eltern zu erreichen. Die Männchen des Nordafrikanischen Rothalsstraußes können bis zu 150 Kilogramm wiegen.“ Da Strauße nicht fliegen, konnten sich ihre Körpergröße und ihre kräftige Muskulatur ohne die Gewichtsbeschränkungen des Fliegens entwickeln. Mit ihren extrem starken Beinen sind sie die Hochleistungsläufer der Vogelwelt und können sich gut verteidigen: Perfekt an die Savannen Afrikas angepasst, erreichen sie Geschwindigkeiten von mehr als 70 Kilometern pro Stunde. Und selbst bei ihren Eiern wartet ein Rekord mit überraschender Wendung: Sie sind zwar die größten Vogeleier der Welt, im Verhältnis zur Körpergröße des Weibchens jedoch die kleinsten aller Vögel.