KI für den Eisbärenschutz

2. November 2026

Eisbären mithilfe künstlicher Intelligenz erkennen, bevor sie Menschen zu nahe kommen: An einem innovativen Frühwarnsystem arbeitet die Artenschutzorganisation Polar Bears International (PBI), die der Tiergarten Schönbrunn bereits seit vielen Jahren unterstützt. Nun beteiligt sich der Tiergarten auch an der Entwicklung dieser neuen Technologie und wird dafür Videoaufnahmen seines Eisbären-Männchens zur Verfügung stellen. Anlässlich der Polar Bear Week von 1. bis 7. November rückt der Tiergarten dieses Forschungsprojekt in den Mittelpunkt. „Durch den Klimawandel schwindet das arktische Meereis. Eisbären verbringen immer mehr Zeit an Land, wodurch die Mensch-Tier-Konflikte zunehmen können. Werden die Tiere frühzeitig erkannt, lassen sich gefährliche Situationen vermeiden. Das schützt nicht nur Menschen, sondern kann auch verhindern, dass Eisbären bei Konflikten verletzt oder getötet werden. Dieses Projekt ist ein Beispiel dafür, wie wertvoll die Zusammenarbeit von Zoos und Artenschutzorganisationen vor Ort für den Schutz bedrohter Tierarten ist“, erklärt Tiergartendirektor Dr. Stephan Hering-Hagenbeck.

Polar Bears International hat bereits das KI-gestützte Radarsystem „Bear-dar“ entwickelt, das sich nähernde Eisbären erkennt und Menschen rechtzeitig warnt. In der kanadischen Arktis konnte es bereits erfolgreich angewandt werden. Da das System sehr teuer ist, wird nun an einer kostengünstigeren Alternative namens „Bear-vision“ gearbeitet. Diese soll Eisbären anhand von Videobildern automatisch erkennen. Zum Trainieren der KI wird umfangreiches Videomaterial benötigt. Hierfür sammelt der Tiergarten Schönbrunn Aufnahmen seines Eisbären-Männchens bei unterschiedlichen Wetter- und Lichtbedingungen. Auch abseits des KI-Projekts trägt das Eisbären-Männchen zur Forschung bei. Medizinisches Training dient der geistigen Beschäftigung, vor allem aber lernt das Tier, freiwillig und stressfrei beispielsweise das Maul zu öffnen, auf die Waage zu gehen oder sich Blut abnehmen zu lassen. So können regelmäßig und ganz ohne Narkose Blutproben entnommen werden, die wertvolle Referenzdaten liefern und helfen können, Untersuchungsergebnisse von Eisbären in der Wildbahn besser einzuordnen.