Schrebergarten-Kroko übernommen

16. April 2026

Über 2,3 Meter Länge und knapp 70 spitze Zähne: Die Eckdaten des neuesten Bewohners des Tiergarten Schönbrunn sind beeindruckend. Ein 30 Jahre altes Beulenkrokodil-Männchen ist in das Terrarienhaus eingezogen. Im Vorjahr sorgte das Tier deutschlandweit für Schlagzeilen. „Das Krokodil wurde zehn Jahre lang privat in einem Schrebergarten in Thüringen gehalten. Als die Besitzer die Haltungsbedingungen nicht mehr erfüllen konnten, wurde es von den Behörden beschlagnahmt“, erklärt Dr. Markus Baur, Leiter der Auffangstation für Reptilien in München. Mehrere tausend Tiere werden hier jedes Jahr aufgenommen, medizinisch versorgt und weitervermittelt. „Wir sind unglaublich froh, dass wir für das Tier im Tiergarten Schönbrunn einen Platz gefunden haben, wo es artgerecht leben kann und große Expertise in der Pflege dieser Reptilien besteht.“

In Schönbrunn erwartete das Beulenkrokodil-Männchen auch ein passendes Weibchen. Nachdem im September des Vorjahres das alte Männchen verstorben war, ist der Tiergarten froh, wieder ein Pärchen halten zu können. „Beulenkrokodile sind nur in wenigen zoologischen Gärten zu finden. Für den Fortbestand der Zoopopulation ist dieses Paar genetisch besonders wertvoll“, so Tiergartendirektor Dr. Stephan Hering-Hagenbeck. Welche Bedeutung der Aufbau von Reservepopulationen hat, zeigt die Geschichte der Beulenkrokodile. „Wegen ihres Leders wurden die Beulenkrokodile in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet – im Süden Mexikos, in Guatemala und Belize – vor 40 Jahren fast ausgerottet. Der Zoo Atlanta und weitere Institute züchteten viele Tiere und wilderten sie erfolgreich aus, sodass die Art heute nicht mehr als gefährdet gilt.“

Der Transport des Tieres nach Wien wurde vom Tiergarten selbst durchgeführt: Kurator Anton Weissenbacher holte das Beulenkrokodil gemeinsam mit einer Tierpflegerin und einem Tierpfleger in München ab. In einer speziellen Transportkiste wurde es in einem Klein-LKW in den Tiergarten Schönbrunn gebracht. Dort verbrachte das Männchen zunächst einige Tage vom Weibchen getrennt in der Anlage, um sich in Ruhe eingewöhnen zu können. „In der Zeit konnten die Tiere bereits Kontakt miteinander aufnehmen, sich sehen und riechen und miteinander kommunizieren“, so Weissenbacher. Anschließend wurden die beiden Tiere zusammengeführt, was sehr gut verlief: Sie tauchten sofort gemeinsam ab, unternahmen  sogar erste Paarungsversuche und liegen seither sowohl an Land als auch im Wasser gerne eng beieinander.