Sie brütet, er baut und klaut – Neue Studie zu Schönbrunner Felsenpinguinen

15. Oktober 2026

Eine neue Studie aus dem Tiergarten in Zusammenarbeit mit der Universität Wien gibt erstmals einen detaillierten Einblick in das Brutverhalten Nördlicher Felsenpinguine in menschlicher Obhut. Dabei zeigten sich innerhalb der Pinguin-Paare deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. „Die Weibchen übernahmen einen größeren Anteil am Bebrüten der Eier, während die Männchen deutlich mehr Zeit in den Nestbau investierten“, erklärt Erstautorin Lisa Macdonald, MSc, vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie. Die Männchen waren dabei keineswegs zimperlich: Sie begannen häufiger körperliche Auseinandersetzungen und stahlen deutlich öfter Nistmaterial. Doch männliche Felsenpinguine zeigten auch eine sanftere Seite. Nach dem Schlupf beteiligten sich beide Geschlechter am Wärmen der Küken. Dabei ließ sich kein eindeutiger Unterschied zwischen Weibchen und Männchen feststellen. Außerdem zeigten die Forschungsergebnisse, dass Pinguin-Paare, bei denen mindestens ein Küken schlüpfte, mehr Zeit in der Nähe voneinander verbrachten als Paare ohne Schlupferfolg. Im Rahmen der Studie beobachtete und filmte das Forschungsteam 13 Felsenpinguin-Paare während der Brutsaison 2024 über drei Monate. Anschließend wertete es die Aufnahmen aus und analysierte die Daten statistisch. Macdonald: „Die Ergebnisse zeigen, dass Weibchen und Männchen während der Brut unterschiedliche, sich ergänzende Aufgaben übernehmen. Ob die Paare diese Aufgaben tatsächlich miteinander koordinieren, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.“

Nördliche Felsenpinguine gelten laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet. In ihrer Heimat im südlichen Atlantik machen ihnen Überfischung, Umweltverschmutzung und der Klimawandel stark zu schaffen. Umso wichtiger sind die Haltung und Erforschung dieser Art in wissenschaftlich geführten zoologischen Gärten. Der Tiergarten koordiniert seit 2015 das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Nördliche Felsenpinguine, führt das internationale Zuchtbuch und pflegt die weltweit größte Kolonie in Zoos. Die erfolgreiche Nachzucht trägt nicht nur zum Aufbau einer Reservepopulation bei, sondern schafft auch besondere Voraussetzungen für die Forschung. „In der Wildbahn wäre es aufgrund des abgelegenen Verbreitungsgebiets und der großen Kolonien kaum möglich, so gute Daten zu einzelnen Paaren zu sammeln. Dass der Tiergarten diese Art so erfolgreich nachzüchtet, war für uns daher eine tolle Chance, das Brutverhalten über eine gesamte Saison hinweg genau zu untersuchen“, sagt Rasmus Praefke, MSc, vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Auch Tiergartendirektor Dr. Stephan Hering-Hagenbeck betont: „Wissenschaftlich geführte Zoos leisten einen wichtigen Beitrag zur Erforschung bedrohter Tierarten. Studien wie diese helfen uns, ihre Biologie besser zu verstehen und daraus Erkenntnisse für den Schutz ihrer wildlebenden Artgenossen zu gewinnen.“