Vom Kindergarten zum Schwimmunterricht

2. Juni 2026

In der Nördlichen Felsenpinguin-Kolonie des Tiergarten Schönbrunn gibt es derzeit Zuwachs der besonderen Art. Zehn kleine Felsenpinguine nähern sich im Polarium nach ihrer Zeit im „Kindergarten“ langsam dem Wasser an. Die Jungtiere sind im Laufe des Aprils geschlüpft und wurden zuerst von den Elterntieren versorgt. In den vergangenen Wochen wurden sie dann vom Tierpflegeteam in einem eigenen Bereich gefüttert und regelmäßig gewogen. „Nördliche Felsenpinguine sind in ihrem ursprünglichen Lebensraum im Südatlantik stark gefährdet. Folglich ist jedes Individuum für die Population besonders wichtig. Durch das Füttern und Wiegen gehen wir sicher, dass sich jedes Tier optimal entwickelt“, erläutert Tiergartendirektor Dr. Stephan Hering-Hagenbeck. Nach der Mauser übersiedeln die Jungvögel in einen eigenen Bereich mit Wasserzugang bei der Kolonie. Der Tiergarten Schönbrunn ist der einzige zoologische Garten, der diese Art regelmäßig so erfolgreich nachzüchtet. Dies ist dem hochspezialisierten Team zu verdanken, das die Pflege sowie die Aufzucht Nördlicher Felsenpinguine über Jahre hinweg optimiert hat.

Pinguine sind eine einzigartige Vogelfamilie, die im Laufe der Evolution das Fliegen in der Luft gegen ein „Fliegen unter Wasser“ eingetauscht hat. Um sich perfekt an den Lebensraum anzupassen, entwickelten sie zahlreiche besondere Merkmale: schwere Knochen für besseres Tauchen, spezialisierte Augen für die Sicht unter Wasser sowie paddelförmige Flügel, mit denen sie sich schnell und geschickt fortbewegen können. Besonders Nördliche Felsenpinguine haben das Meer zu ihrem Zuhause gemacht. Nach der Mauser leben die Tiere in der Wildbahn bis zu sechs Monate lang auf dem offenen Ozean. Sonst ist die Art rund um die abgelegene Inselgruppe Tristan da Cunha im südlichen Atlantik zu finden. „Wir merken hier im Tiergarten deutlich, dass unsere Felsenpinguine unterschiedliche Vorlieben haben. Bei der Fütterung sind manche Tiere zutraulicher und nehmen den Fisch von der Hand, andere fressen lieber an der Wasseroberfläche oder, wie für Pinguine typisch, gänzlich unter Wasser“, so Niklas Hörper, Revierleiter im Tiergarten. Mit etwas Glück können Besucherinnen und Besucher die ersten Fütterungen der Jungvögel im Wasser erleben.