Forschungsprojekt Felsenpinguin

Nördliche Felsenpinguine gelten laut Roter Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet. In ihrer Heimat im südlichen Atlantik machen ihnen Überfischung, Umweltverschmutzung und der Klimawandel stark zu schaffen. Umso wichtiger sind die Haltung und Erforschung dieser Art in wissenschaftlich geführten zoologischen Gärten. Der Tiergarten Schönbrunn koordiniert seit 2015 das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Nördliche Felsenpinguine, führt das internationale Zuchtbuch und pflegt die weltweit größte Kolonie in Zoos.

Zielsetzung

Die Studie des Tiergarten Schönbrunn in Zusammenarbeit mit der Universität Wien soll erstmals einen detaillierten Einblick in das Brutverhalten Nördlicher Felsenpinguine in menschlicher Obhut geben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Weibchen und Männchen eines Paares sich beim Nestbau, beim Bebrüten der Eier und bei der Jungenaufzucht einbringen.

Relevanz

Die erfolgreiche Nachzucht im Tiergarten trägt nicht nur zum Aufbau einer Reservepopulation bei, sondern schafft auch besondere Voraussetzungen für die Forschung. In der Wildbahn wäre es aufgrund des abgelegenen Verbreitungsgebiets und der großen Kolonien kaum möglich, individuelle Daten zu einzelnen Paaren zu sammeln. Dass der Tiergarten diese Art so erfolgreich nachzüchtet, ermöglichte es das Brutverhalten über eine gesamte Saison hinweg genau zu untersuchen. Wissenschaftlich geführte Zoos leisten einen wichtigen Beitrag zur Erforschung bedrohter Tierarten. Studien wie diese helfen uns, ihre Biologie besser zu verstehen und daraus Erkenntnisse für den Schutz ihrer wildlebenden Artgenossen zu gewinnen.

Methode

Lisa Macdonald und Rasmus Praefke, MSc haben unter der Leitung von Dr. Angela Stöger-Horwath, Professorin für „Zoo Conservation Science“ an der Universität Wien, und Zuchtbuchkoordinatorin Sabine Früwirth vom Tiergarten Schönbrunn 13 Felsenpinguin-Paare im Tiergarten Schönbrunn während der Brutsaison 2024 übereinen Zeitraum von drei Monaten beobachtet und gefilmt. Anschließend wurden die Aufnahmen vom Forscherteam ausgewertet und die Daten statistisch analysiert.

Ergebnisse

Innerhalb der Pinguin-Paare zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Weibchen übernahmen einen größeren Anteil am Bebrüten der Eier, während die Männchen deutlich mehr Zeit in den Nestbau investierten. Die Männchen waren dabei keineswegs zimperlich: Sie begannen häufiger körperliche Auseinandersetzungen und stahlen deutlich öfter Nistmaterial. Nach dem Schlupf zeigten sie aber auch eine sanftere Seite – beide Geschlechter beteiligten sich am Wärmen der Küken, ein eindeutiger Unterschied ließ sich dabei nicht feststellen. Außerdem verbrachten Paare, bei denen mindestens ein Küken schlüpfte, mehr Zeit in der Nähe voneinander als Paare ohne Schlupferfolg. Die Ergebnisse zeigen, dass Weibchen und Männchen während der Brut unterschiedliche, sich ergänzende Aufgaben übernehmen. Ob die Paare diese Aufgaben tatsächlich miteinander koordinieren, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Zur Studie: https://www.mdpi.com/2673-5636/7/3/37