Erhaltungszucht Petzea-Rotfeder

Die Petzea-Rotfeder (Scardinius racovitzai) war an einem einzigen Standort endemisch – einem kleinen Thermalsee, in dem sie im September 2014 ausgerottet wurde. Ex-situ-Bestände, also Bestände außerhalb des natürlichen Lebensraumes, werden derzeit von Einrichtungen in Ungarn, Tschechien und Österreich gehalten. Dies sind die letzten verbliebenden Fische dieser Art. Der einzige Lebensraum, der Thermalsee Baile 1 Mai im Westen Rumäniens, wurde durch die Umleitung der thermischen Unterwasserquellen zur Versorgung von Einrichtungen für die Freizeitnutzung des Thermalwassers zerstört. Der See führte anschließend im Frühjahr nur noch geringe Wassermengen und ist seit 2022 vollständig ausgetrocknet.

Maßnahmen

Wilde Exemplare dieser Art wurden gesammelt und 2012 in das Museum Țării Crișurilor in Oradea gebracht. Einige dieser Exemplare wurden später an die Ungarische Universität für Landwirtschaft und Lebenswissenschaften (MATE, ehemals Szent István Universität) in Budapest weitergegeben und dort erfolgreich gezüchtet. Eine Population wurde dann 2014 in den Tiergarten Schönbrunn gebracht. Im Tiergarten konnte die Art durch Hormoninjektionen mehrfach erfolgreich gezüchtet werden. So konnte ein stabiler Bestand aufgebaut werden.
Der Ex-situ-Bestand der Art wird an verschiedenen Standorten gezüchtet und gehalten, um mehrere Ex-situ-Populationen der Art zu etablieren und den Austausch zwischen dem Țării Crișurilor Museum (Oradea, Rumänien), dem Răsvan Angheluțăq Museum of Natural Sciences (Galați, Rumänien), der MATE, dem Tiergarten Schönbrunn (Wien, Österreich), dem Zoo Plzeň (Plzeň, Tschechien) und dem Tropicarium (Budapest, Ungarn) zu ermöglichen.
Der Tiergarten Schönbrunn, der die größte Anzahl dieser Fische beherbergt, unterstützt Zuchtinitiativen und untersuchte gemeinsam mit Prof. Müller (Naturkundemuseum in Oradea, Rumänien) die künstliche Befruchtung bei dieser Art. Nach regelmäßigen Zuchterfolgen und hormonell induzierter Zucht in den vergangenen Jahren wurde in Wien zweimal eine „stripped artificial insemination“, eine eigene Methode der künstlichen Befruchtung, mit Prof. Müller und seinem Team getestet. Schließlich konnte die Art 2025 in Rumänien erfolgreich vermehrt werden, und der Tiergarten erhielt 86 Jungtiere, die in die neu konzipierte und realisierte Aqua-Forschungsstation eingezogen sind. Die Aqua-Forschungsstation bietet Platz für diese in der Wildbahn ausgerottete Art und die Aquarien erfüllen die für S. racovitzai erforderlichen konstanten thermischen Wasserbedingungen von durchschnittlich 29 °C.

Ziel

Das Ziel des Projekts ist es, das langfristige Überleben der Petzea-Rotfeder zu sichern.
So unterstützt der Tiergarten das Projekt:

  • Kooperative Haltung und Zucht dieser in der Wildbahn ausgerotteten Art.
  • Untersuchung künstlicher Besamung für die Erhaltungszucht
  • Öffentlichkeitsarbeit

Anton Weissenbacher, zoologischer Kurator im Tiergarten Schönbrunn: „Die Petzea-Rotfeder zeigt deutlich, wie wichtig Zoos für den Erhalt gefährdeter Arten sind, von denen einige in der Wildbahn sogar bereits ausgerottet wurden. Eine Wiederansiedlung der Petzea-Rotfeder in der Wildbahn ist derzeit nicht möglich, da es an stabilen Lebensbedingungen mangelt. In unserer Aqua-Forschungsstation erhalten wir diese Art und stehen auch im regelmäßigen Austausch mit Partnerinstitutionen. Wir verfügen über den größten Bestand dieser Art und sind in der Lage, diese über einen langen Zeitraum zu erhalten.“