Die letzten ihrer Art - Welterstnachzucht der Batagur-Schildkröte

15. Juni 2010

Im Tiergarten Schönbrunn gelang einem Team aus Forschern, Zoologen, Tierärzten und Pflegern eine Sensation: die weltweit erste Nachzucht der Batagur-Schildkröte, eine der seltensten Wasserschildkröten der Welt. Zwei Jungtiere sind Anfang Mai im Backstage-Bereich des Terrarienhauses geschlüpft. Die nördliche Batagur-Schildkröte (Batagur baska) ist eine bis zu 60 cm große Wasserschildkröte. Im vorigen Jahrhundert war sie in den Flüssen Südostindiens, Bangladeschs und Myanmars verbreitet. Da ihr Fleisch und ihre Eier seit jeher als Delikatesse gelten, ist sie heute beinahe ausgerottet. Nur mehr 20 Individuen sind der Wissenschaft bekannt, sechs davon leben im Tiergarten Schönbrunn.

Vier Batagur-Schildkröten - darunter zwei trächtige Weibchen - wurden dem Tiergarten Schönbrunn im April von den Grazer Forschern und Schildkrötenexperten Reiner und Peter Praschag im Rahmen einer Kooperation übergeben. Das unermüdliche Vater-Sohn-Team spürt seit vielen Jahren hoch gefährdete Schildkröten in der ganzen Welt auf und rettet sie buchstäblich „vor dem Kochtopf". Der Übergabe der Batagur-Schildkröten an den Wiener Zoo folgte eine enge Zusammenarbeit der beiden Experten mit dem Team des Tiergartens. Zu den heikelsten Aufgaben des Schönbrunner Teams gehörte es, den einzigen außerhalb der Ursprungsländer lebenden Exemplaren binnen kürzester Zeit optimale Bedingungen zu schaffen, die Weibchen zur Eiablage zu ermutigen und die Eier in den folgenden Wochen nicht aus den Augen zu lassen.

Anfang Mai gelang die Sensation: Zwei Jungtiere schlüpften - die erste Nachzucht weltweit war geglückt. Aus Sicht von Kurator Anton Weissenbacher das Ergebnis gelungenen Teamworks: „Die 'Praschags', unsere Pfleger und die Tierärzte haben perfekt zusammen gearbeitet. Gemeinsam konnten wir Informationen sammeln, die es weltweit noch nicht gab und die für zukünftige Nachzuchten extrem wertvoll sein werden." Ohne erfolgreiche Nachzuchtprogramme in Zoos und Forschungsstationen wird die Batagur-Schildkröte in wenigen Jahren ausgestorben sein, denn, so Peter Praschag: „Die Zeit für diese Art läuft rasend schnell ab." Der Erfolg im Tiergarten Schönbrunn gibt außerdem Grund zur Hoffnung, dass die beiden Jungtiere vielleicht doch noch nicht die „Letzten ihrer Art" sind.

Derzeit sind die sechs Batagur-Schildkröten im Backstage-Bereich des Terrarienhauses untergebracht. Die erwachsenen Tiere sollen aber schon bald in die große Schildkröten-Anlage im Regenwaldhaus übersiedeln. Die Jungtiere werden ab Herbst im Aquarienhaus zu sehen sein.

Foto 1 und 2 zur honorarfreien Verwendung: Daniel Zupanc
Foto 3 und 4 zur honorarfreien Verwendung: Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky

Die Fotos 1 bis 3 zeigen Jungtiere, Bild 4 zeigt ein erwachsenes Männchen.