Forschungsprojekt Panda-Zwillingsaufzucht

Mit der Geburt der Panda-Zwillinge Fu Feng und Fu Ban im August 2016 bot sich dem Tiergarten Schönbrunn die einzigartige Möglichkeit, zum ersten Mal die Fürsorge einer Panda-Mutter zu zwei Jungtieren zu untersuchen, die ausschließlich von der Mutter ohne menschliche Hilfe großgezogen wurden. Bis zum heutigen Tag haben Panda-Weibchen in zoologischen Einrichtungen, die Zwillinge zur Welt brachten, entweder eines der Jungtiere nicht angenommen oder wurden intensiv von ihren Tierpflegern unterstützt. Dies führte zu der gängigen Ansicht, dass Panda-Weibchen generell nicht in der Lage seien, mehr als ein Jungtier großzuziehen.

Zielsetzung

Eine detaillierte Videoanalyse des Verhaltens sowohl des Panda-Weibchens als auch der Jungtiere ermöglicht Rückschlüsse auf mögliche Unterschiede in der mütterlichen Fürsorge in Bezug auf die Aufzucht von Einlingen und von Zwillingen. Die vorherrschende Meinung, dass Panda-Weibchen aus energetischen Gründen nur ein Jungtier großziehen können, legt die  Hypothese nahe, dass sich die mütterliche Fürsorge zwischen Einlings- und Zwillingsaufzuchten unterscheidet. Es wird angenommen, dass jeder einzelne Zwilling weniger mütterliche Fürsorge als ein einzelnes Jungtier erhält.

Relevanz

Trotz intensiver Forschung gibt es in Bezug auf die Fortpflanzungsstrategie der Großen Pandas noch viele unbekannte Aspekte. Diese Arbeit bietet erste Anhaltspunkte, die daraufhindeuten, dass Große Pandas doch in der Lage sein könnten, Zwillinge großzuziehen. Auch wenn durch das aufwendige Austauschen von Zwillingen zwischen Muttertier und Brutkasten heute sehr viele Panda-Zwillinge überleben, ist eine natürliche Aufzucht durch das Muttertier einer Handaufzucht immer vorzuziehen.

Methode

Im Tiergarten Schönbrunn wurde durch ein Videoüberwachungssystem der Wurfbox eine 24-Stunden-Analyse des Verhaltens des Weibchens und der beiden Jungtiere ermöglicht. Während der ersten drei Lebensmonate der Zwillinge wurde genau erfasst, wieviel Zeit das Panda-Weibchen für ihre Pflege aufwendet, sei es um sie zu säugen, sie zu reinigen oder anderweitig mit ihnen zu interagieren.  

Ergebnisse

Die Ergebnisse dieser Arbeit waren erstaunlich. Entgegen der Erwartung brachte Yang Yang jedem einzelnen der beiden Jungtiere das gleiche Maß an mütterlicher Führsorge entgegen, wie zuvor ihren einzelnen Jungtieren. Um dies zeitlich zu schaffen, sparte sie bei ihrer eigenen Ruhezeit. Damit widerlegt diese Arbeit die Meinung, dass Panda-Weibchen aus energetischen Gründen generell nicht in der Lage seien, mehr als ein Jungtier gleichzeitig großzuziehen. Bleibt nur die Frage, welche Faktoren ausschlaggebend für diese Leistung von Yang Yang waren.

Sicherlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Maßgeblich ist auf jeden Fall die Erfahrung von Yang Yang durch die vorherigen Aufzuchten. Weiters bietet der Tiergarten Schönbrunn der Panda-Mutter die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und von Besuchern unbeobachtet und ungestört ihre Jungtiere zu betreuen. Selbst die Tierpfleger beobachten in den ersten Wochen nach der Geburt nur über Kameras und störten die Aufzucht so wenig wie möglich. Ein dritter, sehr wichtiger Aspekt ist die Größe der Jungtiere bei der Geburt. Kommt eines der Jungtiere mit deutliche geringerem Körpergewicht zur Welt, stehen die Überlebenschance ungleich schlechter.