Tiergarten Schönbrunn

Aquarien- und Terrarienhaus

Das Aquarien- und Terrarienhaus wurde 1959 eröffnet und galt damals als eines der modernsten und innovativsten Aquarienhäuser der Welt. Vierzig Jahre später, von 1998 bis 2000, wurde das Haus erstmals generalsaniert und neu gestaltet. Da aber gerade in der Aquaristik und Terraristik die technischen Möglichkeiten und Standards einem laufenden Wandel unterworfen sind, werden die Anlagen seither laufend überarbeitet und technisch auf den neuesten Stand gebracht.

Das Haus wird durch den „Krokopavillon“, eine Halle mit achteckigem Grundriss, betreten und auch wieder verlassen. Blickfang und zentrales Element ist ein riesiges Aqua-Terrarium mit tropischer Uferlandschaft, in dem mittelamerikanische Beulenkrokodile leben. Die Glasflächen der großzügigen Anlage bieten von mehreren Seiten Einblick, die Krokodile können auch gut unter Wasser bei ihren Tauchgängen beobachtet werden. Direkt an die Anlage der Krokodile grenzt das Innengehege der Riesenschildkröten, denen ein fünfzig Zentimeter tiefer Schwimmteich zur Verfügung steht, der gerne für ausgedehnte Bäder genützt wird. Eine unserer Seychellen-Riesenschildkröten ist übrigens der älteste Bewohner des Tiergarten Schönbrunn: „Schurli“ lebt seit 1953 im Zoo und ist über 100 Jahre alt. Abgesehen von Krokodilen und Schildkröten kann man im Pavillon auch viele kleinere Tiere, dutzende freifliegende tropische Schmetterlinge, entdecken. Wer Glück hat, kann die Schmetterlinge in einem Spezialterrarium, der sogenannten „Puppenstube“, beim Schlüpfen aus ihrer Puppenhülle beobachten.

Beim Betreten des Aquarienhauses stößt man zuerst auf sechs kleinere Aquarien, in denen Lurche leben, die selten oder nie das Wasser verlassen, darunter Raritäten, wie der größte Lurch der Welt, der Chinesischen Riesensalamander, der eine Länge von bis zu 180 cm erreichen kann. In einem Aquarium mit niedrigem Wasserstand in der Mitte des Besucherraumes leben die permanent aktiven Pfeilschwanzkrebse. Sie werden auch als lebende Fossilien bezeichnet, da ihre Vorfahren vor 80 Millionen Jahren schon genauso ausgesehen haben wie sie.

Durch eine verglaste Kanzel des Aquarienhauses hat man Blick auf das Außengehege der roten Flamingos. Die Brutinsel der Flamingos befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Einsichtscheibe. In keinem anderen Zoo kann man diesen anmutigen Vögeln aus so geringer Entfernung bei der Aufzucht der Jungtiere zusehen.

Den tropischen Meeren sind die nächsten vier Aquarien gewidmet. Seeanemonen und verschiedene Arten giftiger Feuerfische beeindrucken durch ihre Farbenpracht. Das größte und wohl beeindruckendste Salzwasserbecken, ein 80.000 Liter Aquarium, in dem ein gewaltiges lebendes Steinkorallenriff und hunderte Fische aus dem Indopazifik bestaunt werden können, vermittelt einen anschaulichen Eindruck vom artenreichsten Lebensraum der Erde. Die vielleicht beliebtesten Meeresfische, die anmutigen Seepferdchen, fühlen sich in ihrer neuen Anlage so wohl, dass es regelmäßig Nachwuchs gibt.

Neben dem großen Mittelmeeraquarium werden in einem speziellen Strömungsaquarium Quallen, deren Haltung und Vermehrung in Zoos als besonders aufwendig gilt, gezeigt. Die grazilen und transparenten Nesseltiere wirken sehr ästhetisch, wenn sie mit pumpenden Bewegungen im Aquarium schweben, durch eine spezielle Spiegelkonstruktion wird der sphärische Eindruck noch verstärkt.

In einem langgestreckten Landschaftsaquarium mit auffällig üppiger Vegetation leben Piranhas, deren öffentliche Fütterung zu den aufregenden Höhepunkten jedes Zoobesuchs zählt - auch wenn von den Fischen tatsächlich weit weniger Gefahr ausgeht, als gemeinhin angenommen. Die über 20 cm großen Piranhas teilen sich das Aquarium mit 2.500 winzigen Verwandten- südamerikanischen Salmlern - die zu den beliebtesten Fischen in privaten Zimmeraquarien zählen.

Ein riesiges Tunnelaquarium mit 130.000 Litern verbindet das Aquarienhaus mit dem Terrarienhaus. In diesem „Röhrenaquarium“ leben neben südamerikanischen Welsen und Gabelbärten auch Süßwasserstechrochen, die den Tunnel über den Köpfen der Besucher schwimmend durchqueren. Die besondere Tunnelkonstruktion bietet faszinierende Einblicke von allen Seiten.

Im Terrarienhaus sind drei Schlangenarten zu sehen: Die Riesenschlangen werden durch die gelbe Anakonda vertreten. Diese wasserliebende Schlange ist fast immer beim Tauchen unter Wasser zu entdecken. Auch zwei hochgiftige Schlangenarten, die Kobras und die Tropischen Klapperschlangen, können im Terrarienhaus gefahrlos aus nächster Nähe betrachtet werden.

Auch im Terrarienhaus hat man durch eine verglaste Kanzel Blick nach draußen und kann hier die gesamte Freianlage der Riesenschildkröten überblicken. Ein künstlicher Bachlauf entspringt unmittelbar vor der Kanzel und speist den kleinen Teich, den sich „Tom Turbo“, das magische Fahrrad aus der beliebten Fernsehserie, mit den europäischen Sumpfschildkröten teilt. Im Freibereich sind seit kurzem drei Freilandterrarien mit heimischen Amphibien und Reptilien, die in Österreich bereits ausgestorben sind oder kurz vor ihrer Ausrottung stehen. Sogar die Wiesenotter, die kleinste Giftschlange Europas, kann hier beobachtet werden.

Die Skorpion-Krustenechse, die einzige giftige Echse der Welt, teilt sich ihr Terrarium mit den Colorado-Kröten. Colorado-Kröten haben dadurch Berühmtheit erlangt, dass ihr Hautgift als bewusstseinserweiternde Droge verwendet wird. Farbenprächtige Pfeilgiftfrösche - einige dieser nur wenige Zentimeter großen Frösche gehören zu den giftigsten Tieren der Welt - können in einem großzügigen Regenwald-Terrarium bewundert und seit kurzem auch belauscht werden - das Quaken wird über spezielle Lautsprecher in den Besucherraum übertragen.

Durch ein langes durchsichtiges Röhrensystem quer durch das Terrarienhaus laufen emsige Blattschneiderameisen zu ihren Erntekammern. Dort zerschneiden sie Blätter und tragen die Teile in ihr Nest. Sie füttern mit den Blatteilen einen speziellen Pilz, den sie hegen und pflegen - dieser Pilz ist die einzige Nahrungsquelle dieser Ameisen.

Das größte und eindrucksvollste Terrarium wird von den Nashornleguanen bewohnt. Diese karibische vom Aussterben bedrohte Leguanart, kann über einen Meter lang und 10 kg schwer werden.

Direkt neben dem Gehege der Nashornleguane führt ein schwarzer Vorhang in den Nachtbereich des Hauses. Dort können in künstlichem Mondlicht verschiedene nachtaktive Tiere wie Blumenfledermäuse, Salomonenskinke und Kaiserskorpione beobachtet werden. Blumenfledermäuse ernähren sich hauptsächlich von Blütensäften. Wie Kolibris lecken sie mit ihren langen Zungen fliegend Nektarlösungen aus den Futterautomaten. Wer genau schaut, kann in einem Aquarium die Blitzlichtfische erkennen. Sie werden bis acht Zentimeter groß und haben unter den Augen Leuchtorgane, die regelmäßig aufblitzen. Das Licht wird durch besondere Bakterien erzeugt.

Weitere Informationen

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    Foto: Norbert Potensky
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Tiere in dieser Anlage